
KNOCKOUT
Am unteren Ende eines Boxsacks hängt kopfüber ein Boxermantel. Der blaue, seidige Stoff geht unmittelbar in den Sandsack über. Die Adidas-gestreiften Ärmel sind angenäht, so dass der Mantel und der Sack zu einer einzigen körperhaften Erscheinung werden. Die Textilien sind neu und sauber, ganz im Kontrast zum Blut und Schweiß des Kampfes. Rabenorts verbindet das „Knockout“ wurde unter anderem in der Einzelausstellung „self-motoric“ 2011 im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln präsentiert. Der hier verwendete Mantel – Teil der deutschen Olympiakollektion 2004 – stammt aus dem „Maylife-Boxclub“ in Köln, den der ehemalige Profi-Boxer Torsten May mit seinem Bruder Rüdiger und Vater Uli betreibt. In seiner Zeit als Trainingsgerät mit dem leiblichen Körper und erzeugt eine surreale Figur. Das Objekt wirkt wie ein hängender, kraftloser Mensch. Ein wenig geisterhaft, denn die Kapuze ist leer. Der Titel „knockout“ bezeichnet diese Handlungsunfähigkeit des Kunstobjekts, die körperliche Schwere, den Kampf mit sich selbst und die Abwesenheit des Geistes. Die Kölner Bildhauerin Kathrin Rabenort befasst sich in ihren Arbeiten häufig mit der Formung und Verformung des menschlichen Körpers, beispielsweise mithilfe von Sport und Sportkleidung. Oft arbeitet sie mit textilem Material und referiert den menschlichen Körper über die ihn bekleidende Hülle.
Als Amateur startete Torsten May für den Box-Club Frankfurt (Oder), wurde 1991 Weltmeister und gewann 1992 Olympia-Gold in Barcelona. Zur Künstlerin gelangte der Mantel durch ein Mitglied des „Maylife-Boxclubs“, das 2006 als Freizeitsportler von EU-Champion Rüdiger May im Rahmen der clubinternen „Championships“ über sechs Runden im Ring gefordert wurde. Als Belohnung fürs Durchhalten gab es den Mantel.
Dr. Christina Katharina May


